Weil Gewordenes nicht einfach gewesen ist
Der Schweizer mit skandinavischen Wurzeln hinterliess 2025 ein breites literarisches Werk, das der wortesekundant Verlag nach und nach veröffentlicht. Wenn sich ein Verlag fände, der das besser könnte als wir – wir müssten Andres Morgen noch heute ziehen lassen.
«Während Ellie morgens in Erlenbach auf die S-Bahn wartete, las sie die bereitliegende Pendlerzeitung in fünf Minuten und begann, die mitgebrachte NZZ in zwanzig zu lesen.»
Wie lässt sich Geschriebenes verdauen, in welchen Portionen wird es verständlich und bleibt nahrhaft?
«Kurzgeschichten sind wie Schulaufsätze, beliebig einfach, beliebig schwierig. Vierundzwanzig stehen am Anfang meines Schreibens.»
Aufschreiben, wenn etwas passiert. Die Aufgabe ist gross genug. Sofort führt sie aus dem Tatsächlichen hinaus ins Interpretieren, wenn erklärt und unterhalten wird. Andres Morgens 3 x 4 Geschichten sind zwischen 20 bis 100 Seiten lang, sie erscheinen demnächst.
«Diese Erzählungen entspringen meiner Erfahrung, sie sind fast ausschliesslich selbst erlebt, gewissermassen dokumentarisch. Und was entspringt meiner Fantasie? Dass ich objektiv schreibe. Reine Illusion und Fiktion sind nicht mein Ding, ich brauche sie nur, um motiviert und inspiriert zu bleiben. Und ich brauche die Illusion, dass es jemanden interessieren könnte, was ich schreibe.»
Zurück zu den Ursprüngen, die bis in die Gegenwart ausstrahlen wie der Urknall - das Material von Andres Morgen sichten und in geeigneter Form vorstellen. Damit wollen wir beginnen, anbei ein Vorabdruck der ersten vier Geschichten, Publikation erwartet 2026.
«Vor dem Abgrund fürchte ich mich. Keine Angst habe ich vor dem Windstoss, der in die Baumkrone fährt, der den Stamm zu beugen oder brechen droht. Heute zieht mich die spiegelnde Seeoberfläche an; sie trennt die Luft vom Wasser, sie verdoppelt Form und Farbe meines Schiffes.»
«Weder Mord noch Totschlag - das ist keine Literatur!!» Nun, Herr Ranicki, es stellt sich die Frage, ob es eine Kunst ist, genau zu beobachten und zu erzählen? Nicht nur eine historische. Dann würde erzählen nicht nur erklären, sondern auch sinnvoll unterhalten.
«Die Fahrerin steigt aus. «Ist etwas passiert?» fragt sie hinein in die Nacht. Sie kann mich kaum sehen in meiner roten Regenjacke, und denkt wohl, ich sei auf Drogen. «Müssen Sie zum Arzt?» Ich sage nichts. «Soll ich die Sanität rufen?» - «Ja, ja», stammle ich undeutlich.»
«Gott ist tot, erklärte Nietzsche.» Nun, da Nietzsche tot ist und auch wir alle sterben, stellt sich die Frage, ob irgendetwas ausser Gott überlebt? Das Volk, der Klan, das Imperium? Nur Anorganisches scheint Bestand zu haben. Geschriebenes? Mehr dazu 2027
«Die «Wahrheit» aufzeigen, nicht bloss eine Geschichte erzählen? Das gehört sich so für einen Schauprozess. Oder im Schauprozess wird gerade eben klar, dass die Wahrheit eine abgekartete Sache ist. Ich kämpfe dagegen an, im Allgemeinen, und werde zu Recht kritisiert wegen meiner ununterdrückbaren oder ununterdrückten Seitenhiebe.»
«Ich ***** deine Mutter!» – darüber lachen wir bei Johann König, Andres Morgen macht ein Drama draus.
Ist sein Schauprozess wirklich nötig?
Wann kommt er, der grosse Liebesroman, der allen alles erklärt, jeden zu Tränen rührt? Oder ist er schon da? Wir editieren die Fragmente und zermartern uns die Köpfe, was zu tun ist.
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